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Klaus Karenberg: "Das andere Ende der Leine"

Workshop Sa.-So. 08.-09.09. 2012-09-25 Anwesen der Familie Stiegler im Ortsteil Ermhof der Gemeinde 92259 Neukirchen b. Sulzbach-Rosenberg


Schönstes Spätsommerwetter lockt 10 Teilnehmer am Samstag gegen 10.00 Uhr auf das gemütliche Anwesen der Familie Stiegler.

Selbstverständlich wollen alle etwas lernen und spätestens am Ende der zwei Tage ist jedes Missverständnis aus dem Weg geräumt, welches "Ende der Leine" in erster Linie zu lernen hat.

Herr Klaus Karrenberg führt den Vorsitz an der langen Tafel, einige Hunde rekeln sich gemütlich auf dem Boden und die Teilnehmer stellen sich vor. Schon in diesen ersten Minuten wird deutlich, wer hier der Chef ist und sich darauf freut unsere Fehler ("...denn aus Fehlern lernt man...") zu korrigieren!

Meinen Hund habe ich an diesem ersten Tag daheim gelassen. Aus gutem Grund, denn mit der ungestörten Arbeitsatmosphäre wäre sonst zunächst einmal Schluss. Nun, ich bin ja hier, um meinen dominanten Rüden in die Pflicht zu nehmen sich zukünftig ordentlich zu betragen.

Doch zunächst geht es um das Wesen des Haushundes, Prägung und Sozialisation der Welpen bzw. Junghunde, Einblicke in die Verhaltensphysiologie und die Sozialstruktur der Hunde. Dieser erste Block soll uns Teilnehmer vermitteln, mit wem wir es eigentlich zu tun haben. Hier kommt es dem Chef auf begriffliche Genauigkeit an. Dazu nur eines von vielen Bsp.: "Der Retriever ist ein Jagdhund, der sich als Familienhund eignet und nicht umgekehrt."

Wir kommen im zweiten Block zu den Themen Körpersprache, Lernverhalten und Motivation unserer Hunde. Es leitet sich z. B. aus dem Jagd- Beute- und Bringtrieb der Retriever unverzichtbares Grundwissen für die Erziehung und Ausbildung ab. Mir persönlich ist davon sehr vieles neu. Andere Teilnehmer sind schon um einiges erfahrener als ich doch Klaus Karrenberg hat auch für Anfänger eine verständliche Form der Wissensvermittlung gefunden!

Zum Schluss des theoretischen Unterbaues hören wir gespannt von Verhaltensstörungen, Angst- Aggressionsverhalten und Trennungsproblematik.

Am Ende des ersten Tages bin ich aufgefüllt mit Neuigkeiten und denke mit Spannung und auch gemischten Gefühlen an den nächsten Tag in Begleitung meines Hundes.



Das Wetter ist wieder so toll wie am Vortag und wir versammeln uns mit unseren Hunden auf dem Hof. Bevor es auf das Übungsgelände geht, werden wir vom Chef angemahnt doch erst einmal mit den Gedanken im "Hier und Jetzt" zu bleiben und nicht schon gedanklich vorzugreifen auf das was als nächstes kommt. Ich für meinen Teil bin damit beschäftigt meinen Rüden halbwegs ruhig zu halten und komme nicht dazu meine Mitstreiter überhaupt zu begrüßen. "So kann es nicht weitergehen!"

Der Weg zum Gelände soll ruhig und geordnet erfolgen. Es geht darum den Hund schon auf dem Weg unter Kontrolle zu haben, eben Schritt für Schritt im Hier und Jetzt. Was sich nach buddhistischer Ruhe (...von Dir geklaut Klaus!) anhört ist für mich harte körperliche und geistige Arbeit, denn mein Rüde verfolgt mit Ausdauer seine eigenen Ziele. Auf dem Arbeitsgelände angekommen bin ich schweißgebadet und entnervt.

Nach Aufforderung vom Chef, bekomme ich jetzt meine erste Lektion.

Problem: Mein Hund macht größten Teils was er will.

Diagnose: Mein Hund hat noch nicht akzeptiert das ausnahmslos ich der Chef bin.

Therapie: Ich lerne die Chefin zu sein und führe meinen Hund. Ziel: Ich gewinne sein Vertrauen indem ich die Führung übernehme und verantworte.

Er kann sich auf mich verlassen. Unterm Strich profitieren wir beide von einer Entspannung weil die Rollen klar verteilt sind. Wer ist die Chefin? Ich! Aber wie? Durch eine aufgerichtete, kraftvolle Körperhaltung (wie eine stolze Bärin), die dazugehörige Stimme (bestimmt, eher tief und in diesem Falle laut) und ein! Kommando. "SITZ!" donnert es aus meinem ganzen Körper bis auf die andere Seite des Tales. Mein Hund an der Seite ist irritiert, doch sitzt er erst einmal wie vom Donner gerührt. Es folgen nun die Verleitungen durch die anderen Teilnehmer, die zu uns kommen und mich begrüßen. Der Hund bekommt auf diese Schlüsselreize immer wieder das Kommando SITZ! von mir als Chefin.

Ich habe die Aufgabe ihn genau zu beobachten und zu agieren, bevor er auch nur daran denkt aufzustehen. Ich versuche vom Reagieren auf bestimmtes Verhalten des Hundes in das Agieren zur Vorbeugung eines bestimmten Verhaltens zu kommen. Ich muss genau beobachten: Blick, Rute, Körperspannung meines Hundes und sitzt er auch wirklich auf seinem Hinterteil oder ist er schon wieder in Habachtstellung? Leute kommen und gehen. Mein Hund bleibt unter meiner Führung sitzen. Er geht unter meinem Kommando neben mir mit durchhängender Leine auf unseren Platz. Grundstellung. Ruhe!

Alle mögen gerne an Wunder glauben. Doch da steckt harte Arbeit dahinter.

Ausdauer - denn der Hund wird es an diesem Tag noch unzählige Male versuchen mir den Rang streitig zu machen.

Konsequenz - denn SITZ heißt SITZ da gibt es keine Kompromisse.

Geduld - denn es ist nicht zielführend als Chef die Nerven zu verlieren oder aggressiv zu werden.

So einem Chef würde kein Mensch und kein Hund auf Dauer vertrauen.

Die Arbeit geht weiter. Wir üben Begegnungen von Mensch zu Mensch, der Hund soll dabei ruhig sitzen. Wir müssen alltägliche Situationen meistern. Dabei lenkt der oberste Chef unsere Aufmerksamkeit auf Details der Körpersprache der Hunde und unserer eigenen. Jeder Hund und jeder Mensch ist anders, mit verschiedenen Stärken und Schwächen. Die Körpersprache zu verstehen ist der Schlüssel zu einer erfolgreichen Erziehung und Führung von Hunden.

Mir persönlich hat dieser Workshop die Chefin gezeigt, die ich sein kann, um meinen Hund zu führen. Nun heißt es das Training durch übung zu Hause zu festigen. So sieht mich heute meine Nachbarschaft mit meinem Hund in der Dunkelheit auf den Schulhof laufen. Dort üben wir bei Fuß gehen an der lockeren Leine. Ach... ja, die Rahmenbedingungen sind dort um diese Stunde günstig, denn der Hund ist fast nicht abgelenkt und kann seine Sinne auf mich und seine Aufgabe richten.

Zum Schluss bitte ich alle mir die Unvollständigkeit dieses Berichtes nachzusehen. Es gäbe noch so viel mehr zu berichten und sicher auch fachlich fundierter zu erfassen als es mir möglich gewesen ist. Ich kann diesen Workshop nur wärmstens weiterempfehlen und möchte mich bei Klaus und alle anderen Menschen und Hunden dieses Wochenendes ganz herzlich bedanken.

Maike Edlefsen mit Lantana Spirit Party Boy

Foto von Dr. Andreas Sellmer

So sieht gespanntes Zuhören aus!!! Was erzählt der Klaus???? WOW!!! Das müssen wir uns alles merken;)

Fotos von Anna Auerbach